“Alleine” durch Bolivien
Christian und ich trennten uns am 21.08.09 in Villazon einer Grenzstadt im sueden Boliviens. Wir verbrachten noch einen Tag dort zusammen und teilten die letzten gemeinsamen Ausruestungsteile auf. Christian reiste nach Paraguay weiter um dortige enge Freunde von uns aufzusuchen und noch etwas mehr ueber Land und Leute zu lernen. Ich zog “allein”, was man eigentlich nie wirklich ist wenn man moechte, in Richtung Uyuni zum Weltgroessten Salzsee. Das Soloreisen ist weitaus angenehmer wie vorgestellt und man kommt auch mehr zum Spanischpraktizieren.
Wie jeder weiss ist Bolivien fuer das Kokablatt bekannt und man sieht in den hoeheren Gebieten die Mehrheit der Bevoelkerung mit koka gefuellten Backen herumlaufen.eigentlich egal was man hat, das Allerheilmittel Koka hilft.

Kokakauausruestung: Blaetter und Katalysatorstoffe aus Pflanzenasche um die Inhaltsstoffe besser freizusetzen
fotoshooting auf der endlosen Salzflaeche. die sonne wird hier so heftig reflektiert, dass man trotz dunkler Sonnenbrille die Augen zukneifen muss. Diese region ist toter als tot. In bestimmten sehr reinen Bereichen wird das Salz abgebaut und vermarktet.

Der Groesste!!
Eigentlich jeder der nach Uyuni kommt macht eine 1-4 taegige Jeeptour an diversen “Sehenswuerdigkeiten” vorbei. Leider ist alles sehr schlecht organisiert(vielleicht bewusst) und alle Jeeps starten zur gleichen Zeit im Ort und erreichen im Abstand von 30 s nacheinander die Attraktionen. Ein Foto ohne Touri darauf ist quasi Seltenheit, es ist laut und die Hoffnung beizubehalten ein Tier aus naeherer Entfernung zu sehen bzw. ein sauberes Foto zu schiessen grenzt fast schon an Fantasy. Aber ich war ja auch ein Touri….

Touristarmy!!

Versteinerter Pilz
Als die anderen mittag assen, konnte ich endlich in Ruhe fotografieren….Die Flamingos schlafen nachts im Wasser und scheinen irgend ein Mittel gegen den in dieser Gegend vorherrschenden Sibirischen Wind zu haben. sie mampfen irgendwas in den mineralreichen Lagunen. Leider schwinden die Lagunen jedes Jahr um ein bisschen und die Flamingos werden immer weniger.

Diese Flamingos fuehren ein bemerkenswertes Leben in einer ziemlich rauhen Zone der Erde
Es gab sogar die Moeglichkeit in einer heissen Quelle zu baden. Schade das ein Foto nicht riecht, denn der Schwefelgestank war hier echt penetrant. Leider hat man auf so einer Sighseeingtour einen recht strammen Zeitplan, sodass wir diesen mystischen Ort schon bald wieder verliessen.

Heisse Quellen lassen die Mondlandschaft dampfen.
Ich denke man kann sich vorstellen, dass man in dieser endlosen, trockenen und Hoffnungslosen Gegend zu Heimweh und Fluchtgedanken neigt, sowie den Drang verspuert etwas gruenes, lebendiges zu sehen. Zu diesem ruhig wirkenden Bild muss man sich einfach auch nen den Wind der windstaerke 7 denken welcher einem Haendeweise den Staubigen Bodenbelag in die Augen presst und die Eiseskaelte unter die Klamotten. Die Lamas haben ganz schoen verschissen in ihrem Leben….

Ganzjaehrig gelbes Gras. ein Lebensunfreundlicher Bereich der Erde.
![IMG_2065[1] Lama mit seinem wetterfesten Kiddl](http://www.schetong.de/wp-content/uploads/2009/09/IMG_20651-225x300.jpg)
Lama mit seinem wetterfesten Kiddl

Vicuña, ein Bergrehbär
Hier sagt nicht mal mehr der Hase dem Fuchs gute Nacht.

Todeszone: zu hoch, zu kalt, zu windig um zu leben.

Laguna Verde, eine der vielen Lagunen im Suedwesten Boliviens. mit Blick auf Vulkan Licancabur( 5960m)
Ich sah ihn und ich musste einfach hinauf. Der Vulkan Tunupa (5432m) zog mich einfach in seinen Bann. ich organisierte mir einen Shuttelservice zum Fusse des Vulkans wo sich sogar ein klitzekleiner Ort befindet, wo man auch ein Bett erhaelt. Ich stieg von 3750m auf ca. 5350m auf, was der hoechste Punkt ist, den man ohne Kletterausruestung erreichen kann. Ab 5200m setzten Schwindel und vereinzelte Haluzinationen ein. Da ich vollkommen allein war wand ich mich an meinen Freund Kokablatt und bat ihn um Hilfe. Ich stopfte mir ganze Haende in die Backe, sodass mein kompletter Mundraum bis tief in den Hals taub wurde, aber mein Kopf wieder klar !!!!

In mitten des riesigen Salzsees mit Blick auf den Vulkan Tunupa
Auf dem Gipfel musste ich so schnauffen, dass ich meine Atemwege bis tief in die bronchen regelrecht austrocknete. Am naechste Tag waren Schmerzen angesagt.

Blick auf den Salzsee vom 5432m hohen Vulkan Tunupa
So wie ich halt bin hatte ich noch nicht genug. ich suchte nach einem 6000m ueberschreitenden Berg. Ich fand ihn.
leider stimmten wie so oft die vorher eingeholten Informationen ueber Berglage, Uebernachtungsmoeglichkeiten, sowie die Rueckkehr in die Zivilisation keineswegs. schlussendlich musste ich mir einen Fahrer+Jeep mieten um an den Vulkan zu gelangen. Diverse andere Diskussionen folgten.
Nachdem der Fahrer mich nicht alleine aufsteigen lassen wollte, jedoch zu faul war am Fusse des Vulkans aufzusteigen, konnte ich ihn und sein Auto nicht unterhalb der Hoehenmarke 5100m stoppen. Dafuer waehlte ich ausversehen einen unglaublich gefaehrlichen und Anstrengenden weg zum Gipfel, welcher uns die letzte Reserve aus beim Fleisch zog. Umdrehen war unmoeglich. Am Gipfel angekommen gabs erstmal ein Schokoriegelmassaker und nach wenigen Minuten Rast mussten wir aufgrund aufziehendem heftigen Wind welcher Wahlnussgrosse Steine aufwirbelte auch schon wieder hinunter. Beim Abstieg bekam ich ein von Minute zu minute schlimmer werdendes Kopfweh, sodass ich in meiner Unterkunft nur noch ins Bett viel. Die luft hatte mich schon wieder dehydriert…
Ich fuehlte mich vergewaltigt!!!!

Der maechtige vulkan Uturuncu (6007m)

Geschafft!!! Gruppenfoto auf 6000m. Ich und mein selbsernannter Fuehrer
Das Gefuehl, einmal das Groesste weit und breit zu sein ist besser als Sex!

Die Aussichttttttttttttttttttttttt!"!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Nach dem 6000er Aufstieg...das Bild sagt alles ueber meinen Zustand

Viscacha, eine Berghasenmaus die in den Felsengebieten wohnt
Die Arbeitsbedingungen in der heute noch aktiven Mine sind traenenausloesend. Es ist staubig wie der Teufel und der Durchschnittsarbeiter stirbt mit 35 Jahren an einer Staublunge. Sie tragen keinerlei Mundschutz!!!!!

Bei einer Fuehrung durch eine Mine in Potosi
Geschrieben von: Sevi
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