Christian und Severin waren in den letzten Tagen ziemlich unter Zeitdruck, um ihren Flug nach Südamerika nicht zu gefährden. Deshalb kamen sie nicht mehr dazu, ihren Reisebericht fortzusetzen. Um die schetong-Fans nicht verhungern zu lassen, will ich ein Art Zusammenfassung der letzten vier Wochen liefern, soweit ich Informationen aus Mails und Telefonaten habe.
Die Weiterfahrt von Bordeaux über Bayonne / Biarritz nach Spanien verlief problemlos bis auf recht schlechtes Wetter mit vielen Regentagen. An der Küste entlang erreichten die Radsportler San Sebastian, wo sie sich in eine Jugendherberge retteten. Sie nutzten das kostenlose Internetangebot, um noch einige Ausrüstungsgegenstände zu bestellen. Für die Auslieferung brauchten sie aber eine Adresse in Madrid, um die sich die Basisstation in der Heimat nach einigen Suchbemühungen schließlich erfolgreich über Verwandte und “um drei Ecken” kümmerte. Dank den edlen Spanierinnen, die den Paketempfang möglich machten!
Von San Sebastian stieg die Strecke ins nordspanische Bergland an (700-1100m). C & S schafften 40-60 km am Tag, blieben zwischendurch für 3 Euro in einer Herberge des Jakobsweges, in der man aber nur eine Nacht verbringen darf, und erreichten Vitoria. Endlich schien wieder die Sonne, sodass die Jungs die Fahrradtascheninhalte zum Trocknen in der Landschaft auslegen konnten. Klare Tage haben jedoch gern klare Nächte zur Folge. So sank auf 1100 Meter Höhe das Thermometer einmal auf –13 Grad. Dagegen waren sogar zwei Schlafsäcke und zwei Mützen pro Mann zu wenig! Am nächsten Tag warteten die beiden, bis die Sonne das Zelt aufgetaut hatte, um keine Materialbrüche zu riskieren. Aber auf der Weiterfahrt fror ihnen fast das Hirn ein. Eines weiteren kalten Abends wurden sie in einem halb verlassenen Ort vermeintlich (“Familia, Familia”) zum Abendessen und Übernachten eingeladen. Am nächsten Morgen wollten die Gastgeber den Freundschaftspreis von “nur” 60 Euro pro Person. Severin fand im Geldbeutel nur 35, Christian leider gar nichts. Schnell mussten sie den Ort verlassen…..
Madrid erreichten die tapferen Radler am 1. Dezember. Sie bezogen ein Sechsbettzimmer in einer modernen Jugendherberge (19 Euro p. P.) und breiteten sich gepäckmäßig trotz weiterer Bewohner aus, um nicht mehr benötigte Gegenstände auszusortieren und in die Heimat zu schicken und um die Neuerwerbungen unterzubringen. Die Paketabholung in nicht zu großer Entfernung klappte letztlich gut, nachdem ein Päckchen uns zunächst als unzustellbar gemeldet worden war, was sich mittels einiger Telefonate jedoch beheben ließ. Das letzte der sieben kam am Tag vor dem Abflug, damit die Spannung erhalten blieb. Einige Einkäufe waren noch zu tätigen und die Räder hatten die Abenteurer bereits mit brauner Tarnfarbe unansehnlich gemacht, damit niemand Gelüste entwickeln möge. Denn seit Frankreich war klar, dass die Einheimischen mit einfacheren Zweirädern unterwegs sind.
Heute (4.12.) rief mich Severin gegen 15 Uhr noch malan. Er versuchte gerade, seine Fotos im Internetcafé auf CD zu brennen. Prompt stürzte der PC mehrmals ab, wie immer, wenn es pressiert. Denn das Gepäck und die Räder waren noch in getrennten Metrofahrten zum Flughafen zu bringen und das Heimatpaket zur Post zu schaffen. Dabei hatte Severin noch einen halbstündigen Weg zur Unterkunft vor sich und bis 19 Uhr sollte alles erledigt sein. Also Stress pur. Ich kann nur hoffen, dass die beiden erfolgreich waren und es am Flughafen keine Probleme mit ihrem reichhaltigen “Frachtgut” gab!
Jetzt ist es 21.30 Uhr. In einer halben Stunde sollte der Flieger abheben. Ich wünsche euch, dass ihr euch dann entspannt zurücklehnen und den Flug genießen könnt!
Ankunft in Buenos Aires / Argentinien soll 7.30 Uhr sein. Die erste Nacht dort ist gesichert: Severin hatte vor der Reise beim Impfarzt im Wartezimmer jemanden aus dieser Stadt kennen gelernt. Wie sich doch immer wieder ein Türchen öffnet!
Ansonsten müssen C & S die Uhr um drei Stunden zurückstellen, sehen die Sonne im Norden und sind plötzlich 11300 km von Stetten entfernt……
ALLES GUTE UND VIEL FREUDE FÜR DIE WEITERE REISE! GOD BLESS YOU!
Rainer Bozenhardt
Anmerkung von Zillo:
Kurz vor 21 Uhr habe ich nochmal mit beiden telefoniert: der Transport zum Aeropuerto und Check-In verliefen sogar fast besser als geplant. Da unsere Jungs die Metro nicht zum Transport benutzen durften mussten sie sich einen privaten Transporteur angeln… Durch die freundliche Hilfe eines Polizisten der die sprachlichen Barrieren zu überwinden half, konnten Sie einen Madrilenen dazu bewegen sie für ein kleines Entgelt in seinem privaten Minibus zum Flughafen zu fahren. Trotz scheinbar heftigem Übergewicht beim Check-In mussten sie wider Erwarten keinen Aufpreis bezahlen und dürften nunmehr seit ca. 15 Minuten in der Luft gen Süden sein. Auf diesem Wege ebenfalls nochmals Alles Gute für die kommenden Tage, Wochen und Monate…
Cheers!
Geschrieben von: Zillo
